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02.01.2018 | Viechtach

Weihnachtswunsch der Polizei: Mehr Personal

Minister Helmut Brunner trifft neuen Viechtacher Dienststellenleiter Rainer Leutsch

Es hat schon Tradition. An Weihnachten besucht Staatsminister Helmut Brunner jedes Jahr eine Einrichtung im Landkreis, deren Mitarbeiter auch an den Feiertagen für ihre Mitmenschen im Einsatz sind. In diesem Jahr fiel seine Wahl auf die Polizeiinspektion Viechtach. Sie hat seit 1. August mit Rainer Leutsch einen neuer Dienststellenleiter, so dass es zugleich sozusagen ein „Antrittsbesuch“ war. 

Staatsminister Helmut Brunner (li.) zusammen mit dem Dienststellenleiter Rainer Leutsch beim Eintrag ins Goldene Buch der PI Viechtach. Foto: Spranger
Der 55-jährige wohnt im Nachbarlandkreis Cham und war bei der Polizei bisher meist als Kriminalbeamter eingesetzt. Nach der Ausbildung begann er seinen beruflichen Werdegang bei verschiedenen Spezialeinheiten des LKA. Verwendungen bei der Zentralen Ermittlungsstelle für Vereinigungskriminalität in Berlin und bei einer UN-Polizeimission im Kosovo folgten. Zuletzt war er als stv. Leiter des Kommissariats für „Grenzbezogene Kriminalität“ in Furth im Wald tätig. Diese Erfahrungen kommen ihm natürlich als Leiter einer grenznahen Polizeidienststelle sehr zugute. Seinen Wechsel von der Kriminal- zur Schutzpolizei hat er jedenfalls noch nicht bereut. „Die Kollegen hier sind überaus engagiert, die Zusammenarbeit macht große Freude“, sagt Leutsch über das Arbeitsklima in seiner neuen Dienststelle, in die er vor rund vier Monaten vom niederbayerischen Polizeichef Josef Rückl berufen wurde.

In dem rund einstündigen Gespräch mit Minister Helmut Brunner kamen zahlreiche Aspekte der aktuellen Sicherheitslage zur Sprache. Die PI Viechtach ist mit einem Zuständigkeitsbereich von 407 qkm und 13 Gemeinden mit 33 000 Einwohnern von der Fläche und der Bevölkerungszahl die größte im Landkreis Regen. Weniger gut ist es um die personelle Ausstattung bestellt. Mit einer Iststärke von rund 26 Beamten ist die Dienststelle derzeit um rund 22 Prozent unter ihrer Sollstärke von 35 Beamten besetzt. Da stelle es schon jeden Tag eine Herausforderung dar, routinemäßige Kontrollaufgaben wie Schulweg-, Zweirad-, Alkohol- und allgemeine Verkehrskontrol-len personell noch in dem für das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung notwendigen Umfang bewältigen zu können.

Zur Unfall- und Kriminalitätsstatistik liegen noch keine endgültigen Zahlen für 2017 vor, diese können erst zum jährlichen „Sicherheitsgespräch“ am Landratsamt aufbereitet werden. Jedenfalls starben im Bereich der PI Viechtach in diesem Jahr bereits fünf Menschen auf den Straßen im Dienstbereich, während es im Jahr 2016 kein Todesopfer im Straßenverkehr zu beklagen gab.

Bei der Kriminalität rechnet Leutsch für 2017 entgegen dem allgemeinen Trend in Niederbayern und Bayern für Viechtach mit einem Anstieg der Zahlen. Bemerkenswert hoch und deutlich über dem Landesschnitt liege in Viechtach die Aufklärungsquote. Bei der Drogenproblematik stehe das billige, jedoch in seinen Auswirkungen auf Körper und Geist der Konsumenten verheerende Crystal Meth besonders im Fokus. Hier seien in jüngster Zeit Veränderungen zu beobachten. So werde die Droge, die in Tschechien leicht zu bekommen sei, häufig auch direkt im Nachbarland konsumiert, wo nur der Handel, nicht aber der Konsum verboten sei.

Eine Rolle bei der besonderen Belastung der Viechtacher Beamten spiele auch die Sondersituation durch die beiden Gemeinschaftsunterkünfte für Asylbewerber in Viechtach und Böbrach. Diese erfordern einerseits einen hohen Kontrollaufwand, zum anderen aber binden etwa Abschiebeanordnungen viel Personal. Wenn nur eine Person abgeschoben werden solle, müssten zwei Beamte ihn frühzeitig in der Unterkunft abholen, dürften ihn nur ohne Anwendung von Zwangsmaßnahmen – also freiwillig – zum Flughafen begleiten, wo er mindestens zwei Stunden vor dem geplanten Abflugtermin ankommen muss, und wenn er dann dort seine Ausreise verweigere, müssten ihn die Beamten in der Regel auch wieder in seine Unterkunft zurücktransportieren. „Das alles kostet viel Zeit, und Frust bleibt da auch nicht aus“, beschreibt Leutsch solche herausfordernde Situationen, die durchaus zum Alltag der Viechtacher Beamten gehören.

Da scheint es durchaus verständlich, wenn sich der Polizeichef zu Weihnachten in erster Linie „mehr Personal“ wünscht. Das hatte Brunner zwar nicht direkt im Gepäck, aber immerhin die Zusage der Staatsregierung, bis 2020 jedes Jahr 500 zusätzliche Beamte im Freistaat einzustellen. Die müssen aber erst angeworben und ausgebildet werden, ehe sie auf die Dienststellen im Land verteilt werden können. Das wird noch einige Zeit dauern. Jedoch nutzte Brunner die Gelegenheit, um sich für den aufopferungsvollen und herausfordernden Dienst zu bedanken, den die Beamten ständig leisten, um das Sicherheitsgefühl der Menschen im Schutzbereich zu stärken. Den Beamten der PI Viechtach wünschte er möglichst ruhige Feiertage und ein erfolgreiches neues Jahr.