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04.07.2018 | Josef Heisl (PNP Passau) | Salzweg

Herzliches Vergelts Gott an den Ex-Minister

Landwirtschaftliche Organisationen danken Helmut Brunner – Landfrauenchor und Trachtler umrahmen Feier

Mit rund 500 Gästen sagten in der Salzweger Mehrzweckhalle 20 landwirtschaftliche Organisationen und politische Weggefährten „Vergelts Gott“ ihrem Minister Helmut Brunner, der fast 10 Jahre lang an der Spitze des bayerischen Landwirtschaftsministeriums stand. Aus den Reden wurde deutlich: Da ist ein politisches Schwergewicht gegangen, aber auch ein Mann, der stets der Basis eng verbunden war und wusste, was den Bauernstand und die Bevölkerung bewegte. 

Vertreter von 20 bäuerlichen Organisationen und regionale Politiker dankten Minister Helmut Brunner persönlich und überreichten ein gemeinsames Geschenk. Foto: Heisl
Dem Präsidenten des Landwirtschaftlichen Bezirksvereins (LBV) und Altbürgermeister Horst Wipplinger war es vorbehalten, als Moderator durch die Festveranstaltung zu führen. Diese sei ein würdiger Auftakt zu den Feiern um das 90. Gründungsfest der Salzweger Trachtler, sagte Wipplinger. Der Präsident lobte die Verdienste Brunners um die Aus- und Fortbildung der bäuerlichen Jugend und dankte auch für die Unterstützung bei der jüngst begonnen Generalsanierung und Aufstockung des Festsaalgebäudes des LBV Passau. Die stellvertretende Landesvorsitzende der AG Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Bezirksrätin Cornelia Wasner-Sommer, wies aktuell auf einen Brief von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer zur Mautpflicht von landwirtschaftlichen Fahrzeugen hin, den sie am Vortag erhalten habe. Darin teilt Scheuer mit, dass auf Kulanzbasis diese Verpflichtung zunächst bis 1. Januar 2019 ausgesetzt werde, dann solle die Höchstgeschwindigkeit der Fahrzeuge keine Rolle mehr spielen. Dafür gab es Beifall aus der Gästeschar.
 
Landrat Franz Meyer bezeichnete Brunner als einen starken  Minister. Der Rahmen passe optimal, weil Brauchtum mit der Landwirtschaft in enger Verbindung stehe. Als ehemaliger Kabinettskollege attestierte der Landrat dem Minister a.D., dieser habe die Bedeutung der Bauern verinnerlicht und mit großem Elan deren Interessen vertreten. Als Erfolge nannte er beispielhaft die Reform der Forstämter und der Ämter für ländliche Entwicklung.
 
Meyer dankte auch für die Schaffung der Akademie für Ökologischen Landbau am Lehr- und Versuchs-und Fachzentrum in Kringell bei Hutthurm. Ein weiteres Kapitel dieser Erfolgsbilanz sei die Errichtung einer Landesanstalt für Landwirtschaft in Ruhstorf.„Auf Helmut Brunner ist Verlass“, er sei immer ein Macher gewesen, so der Landrat.
 
„Fürsorglicher Chef und Motivierer“
 
Auf viele gemeinsame Jahre im Landesparlament blickte MdL Dr.Gerhard Waschler zurück. Kompetent, in der Sache sehr engagiert, kreativ und immer ein guter  Freund, so habe er den Minister erlebt und so habe sich auch eine jahrzehntelange, enge Zusammenarbeit entwickelt. Genial sei Brunners Krisenmanagement nach dem Sturm Kolle gewesen. Sofort vor Ort, habe er festgestellt, „der Schaden ist da, jetzt müssen wir uns dem stellen“. Der Chef des Landwirtschaftsamts, Leitender Landwirtschaftsdirektor Robert Schnellhammer, blickte auf seine ersten Kontakte mit dem Minister zurück und lobte das schon sehr frühe Engagement in der Landjugend und der katholischen Erwachsenenbildung. Brunner habe auch schwierige Themen wie die Forstreform angepackt, damals noch als Vorsitzender des Agrarausschusses.
 
Als Beamter habe er den Minister bewundert, wie er in kurzer Zeit das Ministerium als fürsorglicher Chef und Motivierer im Griff hatte. Schnellhammer ging auf viele Verdienste Brunners ein und lobte besonders sein Eintreten für die Familienbetriebe. Mit Überschriften von Artikeln aus der PNP zeigte er auf, welche riesigen Summen der Minister als Zuschüsse für die Bauern locker gemacht habe. Nach so viel Lob versammelten sich die Vertreter der 20 bäuerlichen Organisationen und die regionalen Politiker, um in kurzen Worten und mit einem kräftigen Händedruck Helmut Brunner danke zu sagen. Von allen zusammen gab es ein gemeinsames Geschenk, ein Wochenende in Bad Füssing. Die „Verpackung“ dazu, den Teil eines Hirschgeweihs, hatte der Salzweger Jäger und Bastler Elmar Seltl gestaltet.
 
Er freue sich, dass auch einmal gedankt und nicht nur immer gefordert werde, so Brunner in seiner Dankesrede. Er lobte seine Wegbegleiter, Landrat Franz Meyer, mit dem er gemeinsam erfolgreich gewesen sei, Gerhard Waschler, der in dem sehr schwierigen Bereich Wissenschaft und Bildung hohes Ansehen genieße, sowie die beiden Bezirksräte Cornelia Wasner-Sommer und Josef Heisl jun.: Sie seien „Türöffner“, ebenso wie BBV-Kreisobmann Hans Koller.
 
Ziel in der Landwirtschaft sei nicht die Gewinnmaximierung, sondern auch der nachfolgenden Generation die Zukunftsperspektiven zu erhalten. Sein Ziel sei stets gewesen, die Landwirtschaft im Freistaat strategisch auf die Zukunft hin auszurichten und das mit einem eigenständigen bayerischen Weg. Ihm sei es wichtig gewesen, den Ausgleich zwischen Ökonomie und Ökologie zu schaffen. Die Kulturlandschaften sollen attraktiv und die ländlichen Räume lebendig und lebenswert sein. Dann zählte der ehemalige Minister vieles auf, was in seiner Amtszeit erreicht wurde.
 
Im ländlichen Raum Perspektiven geschaffen
 
Vorher habe er sich schon früh ehrenamtlich engagiert, sei Diözesanvorsitzender der Landjugend, Gemeinderat und Kreisrat gewesen. Heute sehe er, dass man zwar auch die „Mundwerker“ in den politischen Führungsgremien brauche, aber noch viel mehr die „Handwerker“, die Praktiker also, „die leider auch im Landtag immer weniger werden“. Er habe nach 24 Jahren überlegt, sich dann aber zum Aufhören entschieden. Loslassen sollte man, wenn es noch bedauert wird, außerdem müsse man Jüngeren eine Chance geben. Sein Credo sei gewesen, den ländlichen Raum auf Augenhöhe mit den Metropolregionen zu bringen. Es müssten dort Voraussetzungen geschaffen werden, dass Perspektiven entstehen. Dann steigen auf dem Land auch wieder die Einwohnerzahlen. Darum braucht es ein wirkungsvolles Ansiedlungs- und Förderprogramm. „Aber nicht die Hektarzahl und der Produktionsumfang sind das allein Seligmachende“, so Brunner weiter. Mit den 106 000 Betrieben in Bayern sei gerade die Vielfalt der Reichtum. Ein Mittel zum Erfolg sei auch gewesen, die Kritiker an einen runden Tisch zu bringen und die Bürger miteinzubinden. Jetzt gelte es, für die Bauern wieder Wertschätzung in der Gesellschaft zu erzielen, einen gesunden Bauernstolz und ein Selbstwertgefühl als Diener der Gesellschaft zu erreichen.
 
Dazu müsse auch schon die junge Generation in den Schulen gewonnen werden. Er sei froh, dass die Landwirtschaft in Bayern noch einen viel höheren Stellenwert als im übrigen Bundesgebiet  habe. Mit einem herzlichen „Vergelts Gott“ und der Feststellung, „ich hab nicht nur den Bauernhof, sondern immer auch den Bauernstand gesehen“, verabschiedete sich Brunner von der großen Bühne.
 
BBV-Kreisobmann Hans Koller war es vorbehalten, die Abschlussworte zu sprechen. Er bezeichnete Brunner als Fürsprecher der Region, der er wohl auch weiterhin bleiben werde. LBV-Vizepräsident Hans Danner verteilte am Ende zusammen mit Josef Ritzer noch Geschenke. Die Trachtenkapelle Straßkirchen spielte auf, und der Landfrauenchor unter der Leitung von Mariele Bernkopf sang Brunner mehrere Lieder. Am Ende glänzte der Trachtenverein Salzweg mit Volkstänzen, Schuhplattlern und Goaßl-Schnalzen.