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22.08.2018 | Peter Spranger | Großer Arber.

Neue Impulse für Tourismus und Wintersport

Staatsminister a.D. Helmut Brunner und MdL Dr. Gerhard Hopp luden zum Arbergipfel

Die Tradition der Arbergipfel-Gespräche wiederbelebt haben jetzt der Regener Stimmkreisabgeordnete, Staatsminister a.D. Helmut Brunner, und sein Chamer Kollege Dr. Gerhard Hopp. Solche bezirksübergreifenden Gespräche hatte es früher in unregelmäßigen Abständen gegeben, um auf dem höchsten Gipfel des Bayerischen Waldes – sozusagen mit bester Fernsicht – Themen zu erörtern, die für den gesamten ostbayerischen Raum von Bedeutung sind. Brunner und Hopp hatten für die Neuauflage des Gipfelgesprächs die Themen Tourismus und Weiterentwicklung des Wintersports, speziell mit Blick auf das Landesleistungszentrum (LLZ) für Alpin, Langlauf und Biathlon am Arber, ins Auge gefasst. Sie luden dazu wichtige Akteure und Entscheidungsträger aus beiden Themenfeldern ein, um aktuelle Tendenzen und neue Entwicklungen zu erörtern (Teilnehmer siehe Kasten). „Geballte Kompetenz aus den Bereichen Wintersport, Tourismus und Politik“ fasste Dr. Gerhard Hopp den Teilnehmerkreis zusammen.

Gesprächsrunde beim Arbergipfel-Gespräch, an der Frontseite (v. l.) MdL Dr. Gerhard Hopp, Staatssekretär Gerhard Eck, Staatsminister a. D. Helmut Brunner, Landrat Franz Löffler und MdB Karl Holmeier.
Über den Tourismus referierte zunächst Landrat Franz Löffler, zugleich Präsident des Tourismusverbandes Ostbayern TVO. Im Bayerischen Wald generiert die Branche, in der 23.000 Vollzeitarbeitskräfte – also rund 40.000 Personen – beschäftigt sind, demnach einen Umsatz von ca. 1,2 Mrd. Euro pro Jahr. Rund 1,9 Millionen Gäste sorgen für 7,2 Millionen Übernachtungen. Die Aufenthaltsdauer pro Gast sinkt, dem Trend zu spontaneren und kürzeren, dafür häufigeren Urlaubsreisen folgend. Der klassische Wanderurlauber, der 14 Tage bleibt, werde mehr und mehr durch Gäste abgelöst, die zum Wellness-Wochenende kommen, das aber mehrmals im Jahr.

Sinkende Bettenzahlen seien Ausdruck einer notwendigen Marktbereinigung, dafür steige die Auslastung der Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen, die Bestand haben. „Das entscheidende Kriterium ist die Qualität“, stellte Löffler fest. Die Gäste erwarten in Ostbayern einen authentischen Urlaub, daher seien Leitprodukte wie Natur und Wellness oder Wandern und Mountainbike so wichtig. Mit der Natur Offensive Bayern, die 30 Mio. Euro in den Nationalpark Bayerischer Wald bringen soll, dem Goldsteig-Wanderweg oder der neuen Mountainbike-Route Trans Bayerwald mit 700 km Länge und 17.000 Höhenmetern sei die Region hier gut unterwegs.

Dass trotzdem noch eine Menge zu tun bleibt, machte die anschließende Diskussion deutlich. So werde laut Andreas Brunner trotz der hervorragenden Entwicklung im Bayerwald mit jährlichen Wachstumsraten von fünf Prozent der Fachkräftemangel immer dramatischer. Wünschenswert wäre eine Hotelakademie Bayerischer Wald, um die Qualifizierung des gesamten Personals voranzubringen. Um Nachwuchs für gastronomische Berufe zu finden, müssten diese aber auch bei Bezahlung, Freizeit und Aufstiegschancen deutlich attraktiver werden. Fachkräfte fehlen aber nicht nur in der Gastronomie, auch Bäckereien und Metzgereien als Bestandteile eines intakten Dorflebens würden mehr und mehr verschwinden. Es reicht aber nicht, den Verlust der Wirtshauskultur zu beklagen oder Bäckereien und Metzgereien in jedem Ort zu fordern, sondern man müsse diese dann auch besuchen und zum Einkauf nutzen, wandte Gerhard Eck ein.

„Luft nach oben“ sah Herbert Unnasch bei grenzüberschreitenden Projekten, die oft  aber so kompliziert und aufwendig seien, dass sie kaum genutzt werden könnten. Er bemängelte zudem ein größeres Defizit beim regionalen ÖPNV und bei grenzüberschreitender Mobilität. Beklagt wurde auch ein nach wie vor vorhandenes Imageproblem des Bayerischen Waldes als „billiges Wanderziel“. Dies sei immer noch in manchen Köpfen spürbar, ebenso wie eine stiefmütterliche Behandlung im Vergleich zur oberbayerischen Alpenregion in überregionalen Medien und social media. Max Gibis regte an, dass Konzept der Allgäuer „Bergsteigerdörfer“ in abgewandelter Form etwa als „Bergwanderdörfer“ im Bayerischen Wald zu übernehmen.

Zum zweiten Themenschwerpunkt leitete Staatsminister a. D. Helmut Brunner über. Ihm war aufgefallen, dass Deutschland bei den letzten olympischen Winterspielen in den modernen Trendsportarten Snowboard und Freestyle nur zwei von 60 vergebenen Medaillen geholt hatte. Aber auch in den klassischen Wintersportarten wie Langlauf und Alpin falle Deutschland langsam aber stetig zurück, vor allem wenn einmal die überragenden Talente und Stars wie ein Felix Neureuther verletzungsbedingt ausfallen. Zudem sei offenbar auch der Etat für die Nachwuchssichtung und -förderung in Deutschland weitaus geringer als etwa in Österreich. „Was können wir tun, um hier nicht zweiter Sieger zu bleiben? Ich möchte nicht in einigen Jahren feststellen müssen, dass wir aus Untätigkeit Entwicklungschancen versäumt haben. Mein Ehrgeiz war es immer, dass sich der Bayerwald auf Augenhöhe entwickelt mit anderen Regionen wie dem südlichen Oberbayern und dem Allgäu.“

Die Vertreter der Skiverbände machten deutlich, dass für eine gezielte Nachwuchs- und Talentförderung in allen Wintersportarten mehr Geld nötig wäre. Der DSV muss sich durch Sponsoren und Großveranstaltungen wie Weltcups finanzieren, Mittel für neue Sportarten müssten also anderswo abgezweigt werden. Der BSV sieht den Wintersport zwar im Innenministerium als zuständigem Ressort gut aufgehoben. Neue Sportarten erhielten jedoch meist nur eine Einzelprojektförderung in einem Umfang, mit dem keine Trainerstellen dauerhaft zu finanzieren sind. Was immer mehr wegbricht, sei der traditionelle Unterbau über das Ehrenamt in Sportvereinen – es fehle an ehrenamtlichen, aus Idealismus tätigen Trainern.

Die modernen Trendsportarten würden in erster Linie von talentierten Quereinsteigern ohne Vereinsbindung betrieben. Anders als etwa in Nordamerika gebe es bei uns zu wenig mediales Interesse für diese Sportarten, deren Nachhaltigkeit noch nicht abzuschätzen sei. Den Aufwand, einen Funpark für diese Sportarten zu errichten und zu betreiben, bezeichnet Thomas Liebl als „gewaltig“, während er die Zukunft einer solchen Einrichtung eher zweifelhaft einschätzt. Für sinnvoller hält er eine Besinnung auf traditionelle Wintersportarten, für die aber eine Imageoffensive nötig sei, um die Kinder und Jugendlichen zurückzugewinnen.

Nach knapp drei Stunden fasste Helmut Brunner Ergebnisse und Handlungsempfehlungen des Gesprächs zusammen. Zur Optimierung des Tourismusangebots bedarf es offenbar einer digitalen Offensive, um alle Beteiligten fit für den stetigen technischen Fortschritt zu erhalten. Ebenso seien Verbesserungen beim ÖPNV, bei der Sprachkompetenz in Tschechisch und bei der Personalrekrutierung insgesamt erforderlich. Für dringend geboten hält er es daher, die Nordbayern-Initiative der Staatsregierung auf Ostbayern auszudehnen.

Beim Thema Wintersport sei zunächst eine sportpolitische Grundsatzentscheidung notwendig, ob und inwieweit man neue Trendsportarten vorantreiben will. Erst danach könne man gegebenenfalls in Überlegungen eintreten, das LLZ um einen „Funpark“ mit Trainings- und Wettkampfmöglichkeiten für diese Sportarten zu erweitern. Das mache auch nur dann Sinn, wenn sich ein Investor und Betreiber findet, der dieses Angebot verwirklicht.

Unabhängig davon wäre eine „Sportoffensive Bayern“ geboten, um die klassischen Wintersportarten neu zu beleben mit dem Ziel, die bröckelnde Basis bei den Vereinen, im Ehrenamt und im Breitensport aufzufangen und zu erneuern. „Entscheidend ist das personelle Angebot: Ohne Trainer keine Talente, ohne Talente keine Erfolge, ohne Erfolge keine Fördermittel, und ohne die wiederum keine Trainerstellen.“

Dazu sollten die entscheidenden Akteure in Arbeitsgruppen Überlegungen, Konzepte und Zeitpläne entwickeln, wie der Wintersport insgesamt vorangebracht werden kann. „Bei mir rennt der Bayerische Wald damit offene Türen ein“, versicherte Staatssekretär Gerhard Eck abschließend. „Es muss nicht alles in eine einzige Region fließen.“

Teilnehmer am Arbergipfel-Gespräch:

Gerhard Eck, Staatssekretär im Bayerischen Innenministerium; Franz Löffler, Landrat und Präsident des Tourismusverbandes Ostbayern; Karl Holmeier, MdB; Walter Vogel, Geschäftsführer Marketing des Deutschen Skiverbandes; Dominik Feldmann, stv. Geschäftsführer des Bayerischen Skiverbandes; Max Gibis, MdL, Präsident des Skiverbandes Bayerwald; die stv. Landräte Willi Killinger (Regen) und Markus Müller (Cham); die Bürgermeister der Arber-Anrainer-Gemeinden; Thomas Liebl, Betriebsleiter ARBER-Bergbahn; Andreas Brunner, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes Kreis Cham; Günter Reimann, TVO; Herbert Unnasch und Susanne Wagner, Arberland REGio GmbH; Sepp Schneider Stadionleiter Hohenzollern-Skistadion am Arbersee; Hermann Kastl, Vorsitzender Förderverein LLZ.