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17.10.2018 | Neureichenau.

Dienstbesprechung mit Überraschungsgast

Staatsminister und Aufsichtsratsvorsitzender a.D. Helmut Brunner zu Gast beim Forstbetrieb

Forstbetriebsleiterin Gudula Lermer hatte vor kurzem die Revierleiter, Forstwirtschaftsmeister und die Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle des Forstbetriebs Neureichenau zu einer Dienstbesprechung in das Forstamt eingeladen – und ihnen für diese Zusammenkunft eine Überraschung angekündigt. Diese fand sich in Person des ehemaligen bayerischen Staatsministers für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und früheren Aufsichtsratsvorsitzenden der Bayerischen Staatsforsten Helmut Brunner in dem Besprechungsraum ein, der damit zugleich seinen ersten und seinen Abschiedsbesuch in dem Forstbetrieb im Unteren Bayerischen Wald an der Grenze zu Tschechien und Österreich abstattete. Zu dem Forstbetrieb gehören aber auch Wälder bei Wegscheid und Hauzenberg sowie im Neuburger Wald bei Passau.

Foto: Helmut Brunner (sitzend 2. v. li.) mit Betriebsleiterin Gudula Lermer, stv. Leiter Albert Pauli (li.), Servicestellenleiter Karl-Heinz Knollmüller (re.) und den Mitarbeitern des Forstbetriebs Neureichenau.
Brunner bezeichnete die forstlichen Termine „mit als die schönsten in der zehnjährigen Amtszeit“ als Minister. Der Wald sei ihm ans Herz gewachsen auch durch seinen eigenen Waldbesitz. Die Sitzungen der Bayerischen Staatsforsten, an denen er als Aufsichtsratsvorsitzender qua Amt teilgenommen habe, hätten trotz aller Diskussionen und Herausforderungen zum angenehmen Teil seines Amtes gehört. Die Wertschätzung und Wertschöpfung für den Werk- und Wertstoff Holz zu steigern sei immer ein besonders wichtiges Anliegen seines spezifisch bayerischen Weges in der Agrarpolitik gewesen. So könne er es als Erfolg dieser Politik anrechnen, dass das Interesse an Häusern in Holzbauweise in den letzten Jahren stark gestiegen sei. Inzwischen würden rund 20 % der Einfamilienhäuser aus Holz errichtet, doppelt so viele wie noch vor wenigen Jahren. Trotz Klimawandel, Sturmereignissen wie dem Orkan Kolle 2017 und der Borkenkäferproblematik sieht Brunner insgesamt beste Perspektiven für den Wald und die Forstwirtschaft. Nach Kolle hatte er das gesamte Kabinett für die Notwendigkeit eines offensiven Waldumbaus hin zu stabilen Mischwäldern sensibilisieren können. Mit 200 Mio. Euro und 200 Planstellen in der Forstverwaltung bis 2030 werde der Waldumbau gefördert. Die anwesenden Förster und Forstwirte nutzten die Gelegenheit ausgiebig, um mit Brunner sehr offen und freimütig ihre Ansichten über die Forstpolitik auszutauschen. Dabei ging es unter anderen um die Situation beim Holzpreis, der sehr stark von Holzimporten und von den großen Sägewerken bei uns bestimmt werde. Ebenso kamen die praktischen Auswirkungen der Forstreform von 2004, die zunehmenden Borkenkäferkalamitäten, die Notwendigkeit von zusätzlichen Nasslagern, um die Schwankungen des Holzpreises zumindest teilweise auszugleichen, die ausufernde Bürokratie auch in den Forstbetrieben, Kritik an manchmal mangelnder Professionalität bei manchen Waldbesitzervereinigungen oder bei neuen urbanen Waldbesitzern und auch die schwierige Nachwuchsgewinnung in den Forstbetrieben zur Sprache. Hier sprach sich Brunner dafür aus, es allen Forstbetrieben zu ermöglichen, selbst für den eigenen Bedarf auszubilden. Derzeit muss der Nachwuchs für den Forstbetrieb Neureichenau beispielsweise nach Bodenmais zur Ausbildung, was manche Jugendliche aufgrund der großen Entfernung abhält, den Beruf zu ergreifen. Nach rund zwei Stunden lud Betriebsleiterin Gudula Lermer, die im Juli 2015 in der Amtszeit des damaligen Landwirtschaftsminister und Aufsichtsratsvorsitzenden Helmut Brunner zur Leiterin des Forstbetriebs Neureichenau berufen worden war, ihren „ehemaligen Chef“ noch zu einer kleinen Rundfahrt zu einigen besonderen Plätzen in den insgesamt rund 18500 ha großen Staatswaldflächen des Betriebs ein. So konnte Brunner noch einmal die Auswirkungen von Stürmen wie Kolle und Kyrill, aber auch die Erfolge der Waldverjüngung im Staatswald besichtigen. Und zum Abschluss erwartete ihn ein Reinderlessen auf 1333 m Höhe – im Wirtshaus auf dem Dreisessel.